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„Parasite“: Cannes-Gewinner jetzt im UCI

RKi-taek (Kang-ho Song) und seine Frau Chung-sook (Hyae Jin Chang) sind arbeitslos. Am Rande der Gesellschaft lebend sind sie und ihre beiden Kinder Ki-woo (Woo-sik Choi) und Ki-jung (So-dam Park) immer auf der Suche nach frei zugänglichem WLAN und öffnen die Fenster weit, wenn die Straßenreinigung Ungezieferbekämpungsmittel sprüht, um gegen die Kakerlaken in ihrer Keller-Wohnung anzukommen. RKi-taek (Kang-ho Song) und seine Frau Chung-sook (Hyae Jin Chang) sind arbeitslos. Am Rande der Gesellschaft lebend sind sie und ihre beiden Kinder Ki-woo (Woo-sik Choi) und Ki-jung (So-dam Park) immer auf der Suche nach frei zugänglichem WLAN und öffnen die Fenster weit, wenn die Straßenreinigung Ungezieferbekämpungsmittel sprüht, um gegen die Kakerlaken in ihrer Keller-Wohnung anzukommen. FOTO: Koch Films

"Parasite" ist eine gesellschaftskritische Tragikomödie über zwei südkoreanische Familien

 

In Südkorea haben mittlerweile zehn Millionen Menschen den Film gesehen, in den USA legte er gerade den besten Start aller Zeiten für einen fremdsprachigen Film hin und gilt als Favorit für den neu benannten internationalen Oscar, wenn nicht sogar als Kandidat für den besten Film. „Parasite“!

Ab dem 5. Dezember läuft der Film nun endlich auch im Wilhelmshavener UCI Kino.

Es ist weder ein Monsterfilm noch Science-Fiction-Thriller, auch wenn der „Titel“ Parasite das anfangs suggerieren mag.

Anfangs eher komisch wird Parasite später immer mehr zur tragischeren Satire. Wie so oft bedient sich der koreanische Regisseur Bong Joon Ho unterschiedlichster Genremuster, um von gesellschaftlichen Missständen zu erzählen. Seinen Ausgangspunkt nimmt der Film in einem Kellerloch in Seoul.

Hier leben die Kims, eine vierköpfige Familie, deren Geld weder für das Studium ihrer erwachsenen Kinder reicht, noch für eine menschenwürdige Unterkunft. Für Aushilfsjobs scheinen die Kims (angeführt von Song Kang-ho als verzagtem Patriarchen) kein Talent zu haben, für Hochstaplerei aber umso mehr: Erst schleust sich Sohn Ki-woo (Cho Woo-sik) als Nachhilfelehrer mit vermeintlichem Uni-Diplom bei der reichen Familie Park ein, dann folgt ihm der Rest der Familie in die luxuriöse Waschbetonvilla.

Was bei anderen Regisseuren Stoff genug für einen Film wäre, erzählt Park Joon Ho in einem langen ersten Akt. Wie Familie Ki sich nach und nach in das Leben der Familie Park einschleicht und unersetzbar wird, erinnert an Filme wie Michael Hanekes „Funny Games“ oder Oskar Roehlers „Herrliche Zeiten“, doch bald dreht Bong die Schraube noch weiter.

Wie in den meisten seiner Filme - zuletzt „Okja“ und „Snowpiercer“, vor Jahren „The Host“ und „Memories of Murder“ - lässt sich auch „Parasite“ nur schwer einem Genre zuordnen. Unbekümmert bedient er sich hier und da, überrascht immer wieder mit völlig unvorhergesehenen Volten, doch am Ende sind Bongs Filme immer eins: Messerscharfe, genau beobachtete Satiren.

Wie schon in „Snowpiercer“, in dem in einem Zug auf ewiger, ungebremster Fahrt durch eine apokalyptische Schneelandschaft, die einzelnen Waggons die gesellschaftlichen Schichten markierten, bedient sich auch „Parasite“ klarer geographischer Metaphern.

Ganz unten beginnt der Film, in der Wohnung der Kis, während oben die Parks Leben. Wenn da ein Wolkenbruch die Stadt unter Wasser setzt, wird diese Metapher noch deutlicher: Oben werden nur die Fenster nass, unten versinkt das Tiefparterre der Kis im schmutzigen Abflusswasser.

Doch bei aller offensichtlichen Gesellschaftskritik macht es sich Bong dabei nicht zu einfach. Den Kis sieht man als offensichtliche Verlierer des kapitalistischen Systems ohnehin alles nach, doch auch die Parks sind keineswegs unsympathische Neureiche, im Gegenteil. Abgesehen davon, dass sie sich über den strengen Kellergeruch von Ki-taek wundern, ist von ihnen kein böses oder hochnäsiges Wort über ihre Angestellten zu vernehmen. Der wahre Schuldige an den gesellschaftlichen Missständen sind hier nicht einzelne Personen, sondern die Gesellschaft als Ganzes. Einer der besten Filme des diesjährigen Wettbewerbs von Cannes, der verdient mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.

Za/Quelle: programmkino.de

 

 

 

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 04 Dezember 2019 14:06

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