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Liebeserklärung an das Studio Babelsberg

"Traumfabrik" ist eine Liebes-Dramödie um einen DEFA-Komparsen, der im Sommer 1961 aus Liebeskummer zum Regisseur  aufsteigt, weil er sich in eine Schauspielerin aus dem dann bald abgetrennten Westteil der Stadt verliebt. "Traumfabrik" ist eine Liebes-Dramödie um einen DEFA-Komparsen, der im Sommer 1961 aus Liebeskummer zum Regisseur aufsteigt, weil er sich in eine Schauspielerin aus dem dann bald abgetrennten Westteil der Stadt verliebt. FOTO: Tobis

"Traumfabrik“ von Martin Schreier läuft ab dem 4. Juli im UCI Kino Wilhelmshaven. Das klassische Kino Hollywoods ist ein Ort, wo Wunder geschehen und Träume wahr werden.

Aus kleinem Glück erwächst zu guter Letzt großes Glück. Eine charismatische Schauspielkunst beseelt diese Wandlung. „Traumfabrik“ von Martin Schreier - ab 4. Juli läuft der Film im UCI Kino Wilhelmshaven - stellt sich ganz in die Tradition des großen Erzählkinos. Der Schauplatz, wo opulente Traumgebilde gewoben werden, liegt hier jedoch in der DDR. Dort erhielt 1946 die DEFA (Deutsche Film-AG) die Lizenz, Kinofilme zu schaffen, die propagandistisch für den Aufbau des Sozialismus und den neuen Menschen werben sollten. In den Studios des „Volkseigenen Betriebs“ in Potsdam-Ba-belsberg entspinnt sich die märchenhafte Geschichte vom Aufstieg eines Kleindarstellers zum Regisseur, der zudem eine zauberhafte junge Frau für sich zu erobern versucht. Im Rückblick erinnert sich ein ehrwürdig ergrauter Herr an diese Vorkommnisse. Er gibt sie seinem Enkel in einer geschichtslosen Landschaft wie ein Märchenonkel zum Besten; die junge Generation weiß nichts mehr von dem alten Staat.

Und wahrlich, der Junge vernimmt Unglaubliches von seinem Großvater (trefflich besetzt mit Michael Gwisdek, der in Filmen aus Ost wie West und ebenso als Regisseur reüssierte). Es war einmal, im Jahre 1961, kurz bevor Ulbricht den Befehl gab, eine hohe Mauer um dieses kleine Land zu errichten. Da beendete ein junger, sympathischer Mann namens Emil Hellwerk (frisch, charmant und abenteuerlustig: Dennis Mojen) seinen Dienst in der Nationalen Volksarmee. Durch Unterstützung seines Bruders Axel findet er einen Job als Komparse im DEFA-Studio, das prächtig blüht und gedeiht.

Darstellerinnen und Darsteller aus dem Ausland sind zu Gast, es werden Kassenschlager fabriziert. Manche Sets rufen berühmte Filme in Erinnerung, etwa „Doktor Schiwago“ (1965) von David Lean.Staunend geht Emil über das Studio-Gelände. Während einer langen Plansequenz beobachtet er die Arbeit der einzelnen Gewerke und erliegt dem Glamour. Frauen stolzieren mit prächtigem Kopfputz umher. Kulissen werden getauscht, in oder aus dem Bild getragen. Es knallt, kracht und blitzt. Bis sich der junge Mann irrtümlicherweise auf dem Set eines Piratenfilms wiederfindet und vom Regisseur sogleich als Demonstrationsobjekt eingesetzt wird.

So erlaubt er sich, eine französische Tänzerin, von der er glaubt, es handele sich um die berühmte Schauspielerin Beatrice Morée, zu küssen. Doch wie er bald feststellen muss, war es in Wahrheit nur ihr Double, die schöne Milou (selbstbewusst-modern: Emilia Schüle).Trotzdem verliebt er sich unsterblich und will sie unbedingt für sich gewinnen. Doch die Politik pfuscht ihm ins Handwerk. Es ist der 13. August 1961. Alle, die im Westen Berlins wohnen, unter anderem auch Milou, können nicht mehr in die DDR einreisen und zur Arbeit erscheinen.

Emil ist fassungslos. Wie soll er sie unter diesen Umständen jemals wiedersehen? Er fasst einen kühnen Plan, nutzt die politische Krise für einen Alleingang, besetzt ein leer gewordenes Büro und gibt sich als Produktionsleiter aus. Ganz im volkseigenen Geist schart er die Angestellten aus der zweiten Reihe um sich, schreibt flugs ein Drehbuch für Milou und engagiert sie für seinen Monumentalfilm „Kleopatra“.

Natürlich versucht der Leiter des Studios, der ziemlich blasse Generaldirektor Beck (unterfordert: Heiner Lauterbach), gegen Emils Film zu intrigieren. Di ehöheren Chargen der SED erkennen hingegen das propagandistische Potenzial des Films. Denn mit den eingesetzten Spezialeffekten kann man den Westen endlich einmal über-trumpfen. Von dieser Seite droht Emil also keine Gefahr. Jetzt muss er nur noch seinen Rivalen Omar, mit dem Milou verlobt ist, aus dem Feld schlagen. Obwohl sich das Studio Babelsberg inzwischen mit Hollywood-Produktionen wie „Inglourious Basterds“ oder „Grand Budapest Hotel“ längst auf dem internationalen Markt platziert hat, liegt die letzte Eigenproduktion mehr als 20 Jahre zurück.

Mit der Ost-West-Liebesgeschichte „Traumfabrik“ wollen die Produzenten nun einen neuen Weg einschlagen. „Traumfabrik“ ist der erste Film der neu gegründeten Produktionsfirma Traumfabrik Babelsberg. Regisseur Martin Schreier (“Unsere Zeit ist jetzt“) erzählt diese magische Liebesgeschichte vor der Kulisse des ältesten Filmstu-dios der Welt mit den Shooting-Stars Dennis Mojen (“Brüder“, „Eneme“, „Nirgendwo“) in der Rolle des einfallsreichen und schwer verliebten Emil und Emilia Schüle (“HighSociety“, „Simpel“) als hinreißendeTänzerin Milou. In weiteren Rollen spielen Heiner Lauterbach, Ken Duken, Nikolai Kinski, Ellenie Salvo González, Michael Gwisdek sowie Tänzerinnen des Deutschen Fernsehballetts.

 

 

 

 

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 03 Juli 2019 09:22

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