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„Jack-the-Ripper“ aus Hamburg

Der „Goldene Handschuh“ ist in Hamburg an Originalschauplätzen gedreht worden. Den Serienmörder Fritz Honka spielt der erst 23-jährige Jonas Dassler. Der „Goldene Handschuh“ ist in Hamburg an Originalschauplätzen gedreht worden. Den Serienmörder Fritz Honka spielt der erst 23-jährige Jonas Dassler. FOTO: WARN. BROS

Das Berlinale-Horror-Drama "Der goldene Handschuh" ist ab 21. Februar im Wilhelmshavener UCI Kino zu sehen. In London gibt es Jack-the-Ripper-Touren. Touristen werden dann an die Orte geführt, an denen Jack the Ripper gemordet hat – schaurige Unterhaltung und garantiert gefahrlos.

Auch auf St. Pauli kann man eine Kriminaltour machen und sich von ehemaligen Polizeibeamten an Orte führen lassen, die durch Verbrechen bekannt sind. „Der Goldene Handschuh“ von Fatih Akin wird vermutlich nicht gerade dazu beitragen, dass diese Touren häufiger gebucht werden. „Der Goldene Handschuh“ - ab 21. Februar Filmstart in Wilhelmshaven - ist ein Horror-Thriller von Fatih Akin über den Frauenmörder Fritz Honka aus dem Hamburger Kiezmilieu der 1970er Jahre. Der Film basiert auf einem gleichnamigen Roman von Heinz Strunk und feierte jetzt am 9. Februar im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin seine Premiere.

In seiner Adaption von Heinz Strunks gleichnamigem Roman geht der Hamburger Regisseur Fatih Akin vollends kompromisslos vor. Fritz Honka hat zwischen 1970 und 1975 in seiner Wohnung in Hamburg-Ottensen wenigstens vier Frauen ermordet. Alle waren Gelegenheitsprostituierte, Stadtstreicherinnen, die nicht vermisst wurden – und die für ein alkoholisches Getränk schon einmal mit einem Mann mitgegangen sind. Kennengelernt hat Honka die Frauen meist im Umfeld des „Goldenen Handschuh“, einer Kiezkneipe voller Trinker. Als Stammgast mit kaputtem Gesicht wird er dort aber von den wenigsten ernst genommen und am ehesten noch als Verlierer bemitleidet. Doch unter der Oberfläche des scheinbar harmlosen Losers lauert bei Fritz Honka eine äußerst düstere Natur: Wenn er seine Nächte durchmacht, verfolgt er nämlich regelmäßig alleinstehende Frauen und lässt sie zu seinen Opfern werden. Und Fatih Akin hat diese Geschichte konsequent als Horrorfilm verfilmt. Besonders horrormäßig: Fritz Honka gab es wirklich. Der spätere Serienmöder wurde 1935 als drittes von zehn Kindern in Leipzig geboren. Er hatte zwei Söhne von zwei Frauen, als er 1967 nach Hamburg-Ottensen zog und als Nachtwächter arbeitete.

Mit 35, im Dezember 1970, erdrosselte er eine Gelegenheitsprostituierte (42). Er zersägt die Leiche und versteckt die Pakete in Altona. Zwischen August 1974 und Januar 1975 ermordete Honka drei weitere Frauen (52, 54 und 57 Jahre alt), alle aus dem Trinkermilieu der Reeperbahn und Gäste im „Goldenen Handschuh“. Die zerstückelten Leichen ­verstaute Honka in seiner Wohnung. Die Morde wurden durch Zufall entdeckt, als im Juli 1975 im Mietshaus Feuer ausbrach. 1976 wurde Honka zu 15 Jahren verurteilt – plus späterer Unterbringung in der Psychiatrie. Dort wurde er 1993 entlassen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Honka unter falschem Namen in einem Altenheim. 1998 starb er, 63 Jahre alt.

Letzte Änderung am Mittwoch, 20 Februar 2019 12:59

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