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Sir Elton John

Das Biopic über Elton John folgt vielerorts der klassischen Formel von Musiker-Biopics. Doch peppt Regisseur Dexter Fletcher das Ganze mit Musical-Nummern auf. Diese variieren verschiedene Hits des legendären Sängers und werden so zu echten Highlights, die den Film zu etwas Besonderem machen. Hauptdarsteller Taron Egerton spielt die Hauptrolle und überzeugt auch gesanglich. Das Biopic über Elton John folgt vielerorts der klassischen Formel von Musiker-Biopics. Doch peppt Regisseur Dexter Fletcher das Ganze mit Musical-Nummern auf. Diese variieren verschiedene Hits des legendären Sängers und werden so zu echten Highlights, die den Film zu etwas Besonderem machen. Hauptdarsteller Taron Egerton spielt die Hauptrolle und überzeugt auch gesanglich. FOTO: OUTNOW.CH

 

„Rocketman“ ist mehr Musical als Biopic.

Gegen den Willen seines Vaters und geplagt von Selbstzweifeln, verfolgt der junge Musiker Reginald Dwight den Traum von einer Musikkarriere. Dieser wird in den Sechzigern Wirklichkeit und schon bald wird er mit seinem Künstlernamen „Elton John“ alias „Rocketman“ - ab morgen läuft das Drama unter diesem Titel im UCI Kino Wilhelmshaven an - zu einem der gefeiertsten Musikern aller Zeiten.

Ein Mann in schrillem, orangefarbenem Federkostüm platzt in eine Selbsthilfegruppe: „Mein Name ist Elton Hercules John und ich bin Alkoholiker, kokainabhängig, sexsüchtig, habe Bulimie und einen Shoppingzwang.“

Es ist der Tiefpunkt in seinem Leben als Musiker, als Elton John. „Rocketman“ von Dexter Fletcher beleuchtet in einem ekstatischen Hybrid aus Musical und Biopic den Aufstieg Johns vom schüchternen Middlesex-Knaben zum extravaganten Ausnahmekünstler und den damit verbundenen Mega-Tourneen und Endlos-Exzessen sowie Konflikten mit seiner Homosexualität.Und so erzählt Elton John (Taron Egerton) in jener Therapiesitzung von seiner Geschichte, die in Rückblenden ein möglichst eindeutiges Beweisbild dieser (Schatten-) Seiten liefern soll.

Elton John gehört zweifelsohne zu den buntesten Vögeln der Musikgeschichte - und das ist als Kompliment gemeint. Eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit einem Flair für auffällige Kostüme und beeindruckende Performances am Klavier. Der Mann scheint „larger than life“ zu sein. Ein gewöhnliches Standard-Biopic, wie zum Beispiel der letztjährige Bohemian Rhapsody, würde dem als Reginald Dwight geborenen Mann nicht gerecht werden. Das weiß auch Regisseur Dexter Fletcher und hat mit Rocketman ein - wie er es in eigenen Worten sagt - Fantasy-Musical geschaffen. Auch wenn Fletcher um viele Klischees des Genres nicht herumkommt, ist ihm ein mitreißender Film gelungen, der mit sensationellen Musiknummern und einem brillanten Hauptdarsteller zu begeistern weiss. Dabei war es ausgerechnet Fletcher, welcher den Verantwortlichen bei Bohemian Rhapsody nach der Entlassung von Bryan Singer den Arsch rettete.

Der Engländer drehte den Film ab und war verantwortlich für den großen Teil der Postproduktion. Dafür musste er die Arbeiten an Rocketman unterbrechen, der bereits mehrere Jahre in Planung war und sogar von Elton John himself mitentwickelt wurde. Wenn die porträtierte Persönlichkeit selbst ein Wörtchen mitzureden hat, dann entsteht meist Glattgebügeltes ohne viel Ecken und Kanten.

Doch auch wenn der Film zwischendurch mit herausragenden Musical-Nummern von Songs wie „Goodbye Yellow Brick“ oder „Saturday Night’s Alright For Fighting“ wortwörtlich abhebt - und im Falle von „Rocketman“ sogar untergeht - werden schwierige Themen wie Drogenkonsum oder das Verstecken der eigenen Sexualität nicht verharmlost.

Doch wird John nicht nur einfach als Opfer dargestellt, sondern auch als Täter, wenn er aus Eifersucht Mitmenschen wegstößt und sich so auch selbst immer mehr isoliert. Hauptdarsteller Egerton spielt das alles toll und singt sogar alle Songs selbst. Zwar kommt er stimmlich nicht ganz an das Original heran, doch hängt sich Egerton voll rein, sodass er das oft vergessen machen kann.

Elton John wird ihm Film als Getriebener gezeigt, der auf der Suche nach Liebe an die falschen Leute gerät. Zwischendurch fragt man sich bei all den Drogengeschichten, wie der gute Mann überhaupt imstande war, in den Achtzigern Musik zu produzieren und Konzerte zu geben. Doch fällt das erst beim Abspann auf. Denn mit Hilfe von gut 20 Songs aus Elton Johns Schaffen peitscht Fletcher die Geschichte voran, bei der des Öfteren die Füße mitwippen.

Man kann sich natürlich aufregen, dass der Film einfach der üblichen Formel der Musik-Biopics folgt und sich mit Musical-Einlagen selbst etwas spezieller macht. Wer noch die gr0ßartige und schmerzhaft treffsichere Musiker-Parodie Walk Hard: The Dewey Cox Story im Kopf hat, wird Mühe haben, einige Dinge im Film ernstzunehmen. Doch letzten Endes ist dieses Biopic einfach zu toll gespielt, zu rasant inszeniert und dermassen „Elton John“, dass man einfach mitgerissen wird.

Eine englisch-sprachige Originalversion von Rocketman wird am Sonntag um 20 Uhr gezeigt.

Quelle: outnow.CH

 

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 29 Mai 2019 13:57

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